Sie liefern regelmäßig in die Niederlande oder haben dort Lager oder Kunden? Wir prüfen, ob Sie eine niederländische Registrierung brauchen oder ob eine eigene BV günstiger ist. Kostenlose Ersteinschätzung anfragen.
Die Mehrwertsteuersätze in den Niederlanden
Die Niederlande arbeiten mit drei Sätzen. Anders als in Deutschland (19 und 7 Prozent) liegt der allgemeine Satz bei 21 Prozent, der ermäßigte bei 9 Prozent.
| Satz | Niederlande | Gilt für |
|---|---|---|
| Allgemeiner Satz | 21% | Alle Waren und Dienstleistungen, die nicht ausdrücklich ermäßigt oder befreit sind. Seit 2026 auch Hotelübernachtungen und Ferienunterkünfte. |
| Ermäßigter Satz | 9% | Lebensmittel, Getränke ohne Alkohol, Medikamente, Bücher und Zeitungen (auch digital), Kultur, Sport, Friseur, Reparatur von Fahrrädern und Kleidung, Personenbeförderung. |
| Nullsatz | 0% | Ausfuhr in Drittländer, innergemeinschaftliche Lieferungen an Unternehmen mit USt-IdNr, internationale Beförderung, Lieferungen an Seeschiffe. |
| Befreit | keine btw | Medizinische Leistungen, Bildung, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Vermietung von Wohnraum. Kein Vorsteuerabzug. |
Zum Vergleich: Wer in Deutschland Waren zu 19 Prozent verkauft, verkauft dieselben Waren in den Niederlanden zu 21 Prozent. Bei einem Preis für Privatkunden von 100 Euro netto sind das 121 statt 119 Euro. Für den Endkunden ist das der einzige spürbare Unterschied. Für Sie als Unternehmer beginnt die eigentliche Frage erst danach.
Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer, MwSt, btw: alles dasselbe
In Deutschland heißt die Steuer im Gesetz Umsatzsteuer und im Alltag Mehrwertsteuer. In den Niederlanden heißt sie btw, auf Rechnungen sehen Sie auch "omzetbelasting". Gemeint ist immer dieselbe EU-harmonisierte Steuer. Die niederländische USt-IdNr heißt btw-identificatienummer oder kurz btw-id und hat das Format NL123456789B01: NL, neun Ziffern, B, zwei Ziffern. Sie prüfen die Nummer eines niederländischen Kunden oder Lieferanten über das VIES-System der EU.
Sie verkaufen an niederländische Unternehmen: Reverse Charge
Das ist der häufigste Fall und zugleich der einfachste. Liefern Sie Waren aus Deutschland an ein Unternehmen in den Niederlanden, handelt es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung. Sie stellen ohne Umsatzsteuer in Rechnung, Ihr niederländischer Kunde meldet den Erwerb bei der Belastingdienst an und zieht die Steuer im selben Zug als Vorsteuer wieder ab. Für Sie ändert sich nichts an der deutschen Registrierung.
Vier Dinge müssen stimmen, sonst wird die Lieferung in Deutschland nachträglich steuerpflichtig:
- Die USt-IdNr des Kunden ist gültig, geprüft über VIES, und steht auf der Rechnung.
- Die Rechnung enthält den Hinweis "innergemeinschaftliche Lieferung, steuerfrei" oder "btw verlegd".
- Sie können nachweisen, dass die Ware die Niederlande erreicht hat (Gelangensbestätigung, Frachtpapiere).
- Sie melden den Umsatz in der Zusammenfassenden Meldung (ZM) beim BZSt.
Bei Dienstleistungen an niederländische Unternehmen gilt in aller Regel dasselbe Prinzip: Ort der Leistung ist der Sitz des Kunden, die Steuer schuldet der Empfänger. Ausnahmen sind grundstücksbezogene Leistungen, Veranstaltungen und Personenbeförderung, dort gilt der Ort der Ausführung.
Sie verkaufen an niederländische Privatkunden: OSS oder Registrierung
Verkaufen Sie an Verbraucher in den Niederlanden, etwa über einen Webshop, gilt seit 2021 eine EU-weite Schwelle von 10.000 Euro Umsatz pro Jahr für alle grenzüberschreitenden B2C-Verkäufe zusammen. Bis dahin berechnen Sie deutsche Umsatzsteuer. Darüber schulden Sie niederländische btw zu 21 oder 9 Prozent.
Dafür brauchen Sie keine niederländische Registrierung. Sie melden die niederländische Steuer über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) beim Bundeszentralamt für Steuern an, gemeinsam mit allen anderen EU-Ländern. Die Registrierung in den Niederlanden wird erst nötig, wenn die Ware nicht mehr aus Deutschland kommt.
Wann Sie eine niederländische USt-IdNr wirklich brauchen
Eine eigene niederländische Registrierung ist Pflicht, sobald Sie in den Niederlanden Umsätze ausführen, für die nicht der Kunde die Steuer schuldet. Die typischen Auslöser:
- Lager in den Niederlanden. Ob eigenes Lager, Fulfillment-Dienstleister oder Amazon-Lager: Sobald Ware aus den Niederlanden heraus verkauft wird, ist der Verkauf niederländisch steuerbar. Auch das Verbringen der Ware von Deutschland ins niederländische Lager ist meldepflichtig.
- Verkäufe an niederländische Privatkunden aus niederländischem Bestand. Dann greift OSS nicht mehr, weil die Lieferung im Inland beginnt.
- Einfuhr über Rotterdam oder Amsterdam. Importieren Sie Ware aus China oder den USA über einen niederländischen Hafen und verzollen dort, sind Sie Einführer in den Niederlanden.
- Bau-, Montage- und Installationsleistungen an niederländische Privatkunden oder Nichtunternehmer.
- Veranstaltungen, Messen und Verkauf vor Ort in den Niederlanden an Privatpersonen.
Die Registrierung läuft über die Belastingdienst, Abteilung Kantoor Buitenland in Heerlen. Als EU-Unternehmen brauchen Sie dafür keinen Fiskalvertreter. Sie bekommen eine btw-id und geben in der Regel vierteljährlich eine btw-aangifte ab, jeweils bis zum Ende des Folgemonats. Zahlung und Abgabe haben dieselbe Frist.
Einfuhr über die Niederlande: die Artikel-23-Genehmigung
Hier liegt der Grund, warum viele deutsche Händler ihre Importe bewusst über Rotterdam abwickeln. In Deutschland zahlen Sie die Einfuhrumsatzsteuer beim Zoll und holen sie Wochen später über die Voranmeldung zurück. In den Niederlanden gibt es die Vergunning artikel 23: Mit dieser Genehmigung zahlen Sie beim Import gar nichts, sondern melden die Einfuhrsteuer in der normalen btw-aangifte an und ziehen sie im selben Formular wieder ab. Der Liquiditätseffekt ist null.
Der Haken für ausländische Unternehmen: Die Artikel-23-Genehmigung bekommen Sie als deutsche GmbH nur über einen niederländischen Fiskalvertreter, der dafür haftet und entsprechend kostet. Eine niederländische BV dagegen beantragt die Genehmigung direkt. Für Unternehmen mit strukturellem Importvolumen ist das oft der Punkt, an dem sich eine eigene niederländische Gesellschaft rechnet.
Sie kaufen in den Niederlanden ein: MwSt zurückholen
Der umgekehrte Fall, in der Praxis oft gesucht als "MwSt Niederlande nach Deutschland": Sie haben als deutsches Unternehmen niederländische Rechnungen mit 21 Prozent btw, etwa für Hotel, Tanken, Messekosten oder Waren, die Sie vor Ort abgeholt haben.
- Als Unternehmer bekommen Sie die niederländische btw über das Vorsteuervergütungsverfahren zurück. Antrag elektronisch über das BZSt-Portal, Frist 30. September des Folgejahres, Mindestbetrag 50 Euro für einen Jahresantrag (400 Euro für Anträge über kürzere Zeiträume ab drei Monaten). Die niederländische Steuerbehörde muss nach EU-Recht innerhalb von vier Monaten nach Eingang über den Antrag entscheiden.
- Als Privatperson gibt es keine Erstattung. Die btw bleibt beim niederländischen Staat. Eine Ausnahme gilt nur bei Ausfuhr in ein Drittland.
- Bei größeren Warenkäufen lohnt es sich, den Lieferanten um eine innergemeinschaftliche Lieferung zu bitten: Sie geben Ihre deutsche USt-IdNr an, die Ware wird nach Deutschland versandt und die Rechnung kommt ohne btw. Dann entfällt das Erstattungsverfahren komplett.
Rechnungen aus den Niederlanden buchen
Für Ihre deutsche Buchhaltung gilt: Eine niederländische Rechnung ohne btw und mit dem Hinweis "btw verlegd" buchen Sie als innergemeinschaftlichen Erwerb oder als Reverse-Charge-Leistung, mit deutscher Umsatzsteuer und gleichzeitigem Vorsteuerabzug. Eine niederländische Rechnung mit 21 Prozent btw buchen Sie brutto als Aufwand; die btw ist in Deutschland nicht als Vorsteuer abziehbar, sondern nur über das Vergütungsverfahren zurückzuholen.
Ab wann lohnt sich eine eigene niederländische BV?
Die Registrierung als ausländisches Unternehmen funktioniert, hat aber Grenzen. Wer dauerhaft Lager, Personal oder Kunden in den Niederlanden hat, stößt schnell auf drei Punkte, an denen eine eigene Gesellschaft praktischer und günstiger ist:
- Artikel 23 ohne Fiskalvertreter, also Import ohne Liquiditätsverlust und ohne Haftungsgebühr.
- Niederländische Kunden und Behörden verlangen zunehmend einen Vertragspartner mit niederländischer KVK-Nummer und Bankverbindung.
- Sobald tatsächlich Geschäftsleitung oder eine feste Einrichtung in den Niederlanden liegt, entsteht ohnehin eine Betriebsstätte, und dann ist die BV die sauberere Lösung als eine unklare Zwischenform.
Was eine BV kostet, wie lange die Gründung dauert und wie sie steuerlich an Ihre GmbH angebunden wird, lesen Sie auf unserer Seite zur Firmengründung in den Niederlanden. Die laufende Umsatzsteuer und Buchhaltung Ihrer BV übernehmen wir als niederländischer Steuerberater für deutsche Unternehmen. Den Vergleich der Rechtsformen finden Sie im Artikel GmbH vs. niederländische BV.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in den Niederlanden?
21 Prozent allgemein, 9 Prozent ermäßigt für Lebensmittel, Medikamente, Bücher, Kultur und einige Dienstleistungen, 0 Prozent für Ausfuhr und innergemeinschaftliche Lieferungen.
Ist die niederländische Mehrwertsteuer 2026 gestiegen?
Die Sätze von 21 und 9 Prozent sind unverändert. Geändert hat sich die Einstufung: Übernachtungen in Hotels und Ferienunterkünften fallen seit 1. Januar 2026 unter 21 statt 9 Prozent. Die geplante Erhöhung für Kultur, Bücher und Sport wurde zurückgenommen.
Brauche ich als deutsches Unternehmen eine niederländische USt-IdNr?
Nur wenn Sie in den Niederlanden steuerpflichtige Umsätze ausführen, für die nicht der Kunde die Steuer schuldet: Lager in den Niederlanden, Verkäufe aus niederländischem Bestand, Einfuhr über einen niederländischen Hafen oder Leistungen vor Ort an Privatkunden. Reine Lieferungen aus Deutschland an niederländische Unternehmen lösen keine Registrierung aus.
Kann ich niederländische Mehrwertsteuer zurückfordern?
Als Unternehmer ja, über das Vorsteuervergütungsverfahren beim Bundeszentralamt für Steuern, Frist 30. September des Folgejahres. Als Privatperson nicht.
Wie prüfe ich eine niederländische USt-IdNr?
Über das VIES-System der EU-Kommission. Das Format lautet NL, neun Ziffern, B, zwei Ziffern, zum Beispiel NL123456789B01. Bewahren Sie den Prüfnachweis auf, das Finanzamt fragt bei einer Prüfung danach.
Wie oft muss ich in den Niederlanden Umsatzsteuer anmelden?
In der Regel vierteljährlich, bis zum Ende des Monats nach dem Quartal. Bei hohem Umsatz kann die Belastingdienst monatliche Abgabe verlangen, bei sehr geringem Umsatz ist auf Antrag eine Jahresmeldung möglich.
Fazit
Der Mehrwertsteuersatz von 21 Prozent ist für deutsche Unternehmen in den Niederlanden selten das Problem. Entscheidend ist, wer die Steuer schuldet. Bei Lieferungen an Unternehmen regelt das Reverse-Charge-Verfahren fast alles, bei Privatkunden der OSS. Eine eigene niederländische Registrierung wird erst nötig, wenn Ware oder Leistung tatsächlich aus den Niederlanden heraus erbracht wird. Und spätestens, wenn Import, Lager und Kunden dauerhaft dort liegen, ist eine niederländische BV meist die einfachere und günstigere Lösung als die Registrierung einer deutschen GmbH.