Sie planen eine BV oder haben bereits Aktivitäten in den Niederlanden? Wir rechnen durch, wo Ihr Gewinn besteuert wird und wie die niederländische Seite mit Ihrer deutschen Struktur zusammenpasst. Kostenlose Ersteinschätzung anfragen.
Was das Abkommen regelt, und seit wann
Das aktuelle Abkommen wurde am 12. April 2012 unterzeichnet und ist zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Es hat das alte Abkommen von 1959 abgelöst, das über ein halbes Jahrhundert galt. Am 14. April 2025 haben beide Länder ein Änderungsprotokoll unterzeichnet, das unter anderem die Homeoffice-Arbeit von Grenzpendlern neu regelt.
Das Abkommen schafft keine neuen Steuern. Es verteilt Besteuerungsrechte zwischen zwei Ländern, die beide Anspruch auf dieselben Einkünfte erheben könnten. Vier Fragen entscheiden dabei fast alles:
- Wo sind Sie oder Ihre Gesellschaft ansässig? Das bestimmt, welches Land Sie mit Ihrem Welteinkommen besteuern darf.
- Entsteht im anderen Land eine Betriebsstätte? Erst dann darf das andere Land Unternehmensgewinne besteuern.
- Um welche Art von Einkünften geht es? Für Dividenden, Zinsen, Lizenzen, Arbeitslohn und Immobilien gelten jeweils eigene Regeln.
- Wie beseitigt der Wohnsitzstaat die Doppelbesteuerung? Durch Freistellung oder durch Anrechnung, und das macht rechnerisch einen erheblichen Unterschied.
Die Grundfrage: wo ist Ihre Gesellschaft ansässig?
Viele deutsche Unternehmer gehen davon aus, dass eine beim niederländischen Notar gegründete BV automatisch in den Niederlanden besteuert wird. Das ist der teuerste Irrtum in diesem Bereich.
Für die Ansässigkeit zählt nicht allein der Registersitz, sondern der Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung. Also: Wo werden die wesentlichen Entscheidungen getroffen, wo sitzt die Geschäftsführung tatsächlich, wo finden die Besprechungen statt, wo wird unterschrieben. Führen Sie Ihre BV faktisch vom Schreibtisch in Düsseldorf aus, kann Deutschland die Gesellschaft als dort ansässig behandeln. Dann erheben beide Länder Anspruch auf denselben Gewinn, und das Abkommen muss über eine Tiebreaker-Regel entscheiden, welches Land vorgeht.
Praktische Folge: Substanz in den Niederlanden ist kein bürokratisches Detail, sondern die Grundlage Ihrer gesamten Struktur. Eine niederländische Geschäftsadresse allein reicht nicht. Es geht um Entscheidungen, Personen, Verträge und nachweisbare Aktivität vor Ort. Wer das von Anfang an richtig aufsetzt, muss es später nicht teuer reparieren.
Betriebsstätte: wann die Niederlande mitbesteuern dürfen
Unternehmensgewinne besteuert grundsätzlich das Land, in dem das Unternehmen ansässig ist. Das andere Land darf nur mitbesteuern, wenn dort eine Betriebsstätte besteht, und dann auch nur die Gewinne, die dieser Betriebsstätte zuzurechnen sind.
Eine Betriebsstätte ist nach dem Abkommen eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Geschäftstätigkeit ganz oder teilweise ausgeübt wird. In der Praxis geht es meist um drei Konstellationen:
| Situation | Betriebsstätte? | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Büro, Werkstatt, Fabrik oder eigenes Lager in den Niederlanden | In der Regel ja | Entscheidend ist die eigene Verfügungsmacht über die Räume und eine gewisse Dauer. |
| Bau- oder Montagearbeiten vor Ort | Ab 12 Monaten | Dauert das Projekt länger als zwölf Monate, entsteht eine Betriebsstätte. Auch an Subunternehmer vergebene Teile zählen mit. |
| Handelsvertreter oder Account Manager in den Niederlanden | Möglich | Wer bevollmächtigt ist, in Ihrem Namen Verträge zu schließen, und davon regelmäßig Gebrauch macht, kann eine Betriebsstätte begründen. |
| Reines Auslieferungslager, Einkauf, Informationsbeschaffung | In der Regel nein | Vorbereitende Tätigkeiten und Hilfstätigkeiten sind ausdrücklich ausgenommen, solange sie nicht die Kerntätigkeit betreffen. |
Die Grenze zwischen Hilfstätigkeit und Kerntätigkeit ist beweglich und wird von den Finanzverwaltungen kritisch geprüft. Ein Lager, das für einen Online-Händler faktisch das Geschäft ist, wird anders beurteilt als ein Lager eines Maschinenbauers. Wer sich hier verschätzt, erfährt das oft erst Jahre später, mit Nacherhebung und Zinsen.
Dividenden: von der BV zur GmbH
Für viele deutsche Unternehmer ist dies die entscheidende Frage. Ihre BV macht Gewinn, versteuert ihn in den Niederlanden, und der Rest soll nach oben. Was passiert dann?
Das Abkommen begrenzt die niederländische Quellensteuer auf Dividenden:
- 5 Prozent, wenn der Nutzungsberechtigte eine Gesellschaft ist, die während eines Zeitraums von 365 Tagen unmittelbar mindestens 10 Prozent des Kapitals hält
- 10 Prozent bei einem in den Niederlanden ansässigen Pensionsfonds
- 15 Prozent in allen übrigen Fällen
Wichtiger noch ist die EU-Mutter-Tochter-Richtlinie. Sind ihre Voraussetzungen erfüllt, entfällt die Quellensteuer vollständig. Verlangt wird im Kern eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent zwischen zwei Kapitalgesellschaften in verschiedenen EU-Staaten, die mindestens zwölf Monate ununterbrochen gehalten wird. Auf deutscher Seite ist die empfangene Dividende bei der GmbH nach Paragraf 8b KStG zu 95 Prozent steuerfrei; 5 Prozent gelten pauschal als nicht abziehbare Betriebsausgaben.
Halten Sie die BV dagegen privat, landet die Dividende bei Ihnen persönlich und wird in Deutschland als Kapitaleinkunft besteuert. Ob die GmbH oder Sie selbst die Anteile halten sollten, ist deshalb keine Formalie, sondern die Weichenstellung mit der größten finanziellen Wirkung. Wir rechnen beide Varianten durch, bevor gegründet wird. Mehr dazu auf unserer Seite zur Firmengründung in den Niederlanden.
Arbeitnehmer über die Grenze: die 183-Tage-Regel
Arbeitslohn wird grundsätzlich dort besteuert, wo die Arbeit tatsächlich ausgeübt wird. Schicken Sie einen Mitarbeiter für ein Projekt in die Niederlande, kann dort also Lohnsteuer anfallen.
Ausnahmsweise bleibt das Besteuerungsrecht beim Wohnsitzstaat, aber nur wenn alle drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Der Aufenthalt im Tätigkeitsstaat beträgt höchstens 183 Tage im maßgeblichen Zeitraum
- Der Arbeitgeber ist nicht im Tätigkeitsstaat ansässig
- Der Lohn wird nicht von einer Betriebsstätte im Tätigkeitsstaat getragen
Fällt eine Bedingung weg, besteuert der Tätigkeitsstaat. Und genau hier hängen die Themen zusammen: Haben Sie in den Niederlanden eine Betriebsstätte, die den Lohn trägt, greift die Ausnahme nicht mehr, unabhängig von der Zahl der Tage.
Getrennt davon steht die Sozialversicherung. Sie folgt eigenen europäischen Regeln und landet nicht automatisch im selben Land wie die Lohnsteuer. Es ist gut möglich, dass Ihr Mitarbeiter in einem Land Steuern und im anderen Beiträge zahlt.
Homeoffice, Stand September 2026: Das Änderungsprotokoll vom 14. April 2025 sieht vor, dass Grenzpendler bis zu 34 Arbeitstage pro Kalenderjahr von zu Hause arbeiten können, ohne dass sich das Besteuerungsrecht verschiebt. Prüfen Sie vor jeder Gestaltung den Stand der Ratifizierung, denn ein unterzeichnetes Protokoll ist noch kein geltendes Recht.
Wie die Doppelbesteuerung tatsächlich beseitigt wird
Darf das Quellenland besteuern, muss der Wohnsitzstaat nachziehen. Dafür gibt es zwei Methoden, und der Unterschied ist erheblich:
| Methode | Wirkung | Typischer Fall |
|---|---|---|
| Freistellung mit Progressionsvorbehalt | Die ausländischen Einkünfte bleiben im Wohnsitzstaat steuerfrei, erhöhen aber den Steuersatz auf das übrige Einkommen. | Gewinne einer ausländischen Betriebsstätte, Arbeitslohn aus dem Tätigkeitsstaat |
| Anrechnung | Die ausländische Steuer wird auf die inländische angerechnet, begrenzt auf den inländischen Betrag. Im Ergebnis zahlen Sie das höhere der beiden Niveaus. | Dividenden, Zinsen, bestimmte weitere Einkünfte |
Deshalb lohnt es sich, die Struktur vorab durchzurechnen. Die niederländische Körperschaftsteuer liegt bei 19 Prozent bis 200.000 Euro Gewinn und 25,8 Prozent darüber, und eine Gewerbesteuer kennen die Niederlande nicht. Bei der Freistellungsmethode bleibt dieser Vorteil erhalten. Wird dagegen angerechnet, wird er ganz oder teilweise wieder eingesammelt.
Wo es in der Praxis schiefgeht
Vier Muster sehen wir immer wieder:
- Die BV wird faktisch aus Deutschland geführt. Der Notartermin war in Amsterdam, die Entscheidungen fallen in Deutschland. Fällt das bei einer Prüfung auf, steht die gesamte Struktur zur Diskussion.
- Eine Betriebsstätte entsteht unbemerkt. Ein Bauprojekt zieht sich über zwölf Monate, ein Vertriebsmitarbeiter schließt eigenständig Verträge, und plötzlich besteht in den Niederlanden eine Steuerpflicht, von der niemand wusste.
- Die Anteile werden falsch aufgehängt. Privat statt über die GmbH, ohne dass jemand beide Varianten gerechnet hat. Eine Korrektur im Nachhinein kostet Notar, Zeit und häufig Steuern.
- Lohnsteuer und Sozialversicherung werden zusammen gedacht. Sie folgen unterschiedlichen Regeln, und die Annahme, dass beides im selben Land landet, führt zu Nachzahlungen auf beiden Seiten.
Beurteilen beide Länder denselben Sachverhalt unterschiedlich, hilft das Abkommen nicht automatisch. Dann bleibt das Verständigungsverfahren, in dem sich die Finanzverwaltungen abstimmen. Das dauert und ist aufwendig. Vorbeugen ist deutlich günstiger.
Häufig gestellte Fragen
Seit wann gilt das aktuelle DBA zwischen Deutschland und den Niederlanden?
Das Abkommen wurde am 12. April 2012 unterzeichnet und ist zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Es hat das alte Abkommen von 1959 abgelöst. Am 14. April 2025 haben beide Länder ein Änderungsprotokoll unterzeichnet, unter anderem zur Homeoffice-Arbeit von Grenzpendlern.
Wo wird der Gewinn meiner niederländischen BV besteuert?
Grundsätzlich in den Niederlanden, wenn die BV dort ansässig ist. Entscheidend ist nicht der Registersitz, sondern wo die tatsächliche Geschäftsleitung liegt. Wird die BV faktisch aus Deutschland geführt, kann Deutschland sie als dort ansässig behandeln, und dann drohen zwei Besteuerungsansprüche auf denselben Gewinn.
Wann entsteht in den Niederlanden eine Betriebsstätte?
Bei einer festen Geschäftseinrichtung wie einem Büro, einer Werkstatt oder einem Lager mit eigener Verfügungsmacht. Bei Bau- und Montagearbeiten entsteht eine Betriebsstätte, wenn das Projekt länger als zwölf Monate dauert. Auch ein Vertreter mit Abschlussvollmacht, der davon regelmäßig Gebrauch macht, kann eine Betriebsstätte begründen. Reine Hilfs- und Vorbereitungstätigkeiten zählen nicht.
Wie hoch ist die Quellensteuer auf Dividenden von einer BV an eine GmbH?
Nach dem Abkommen 5 Prozent, wenn die Muttergesellschaft während 365 Tagen unmittelbar mindestens 10 Prozent des Kapitals hält, und 15 Prozent in den übrigen Fällen. Sind die Voraussetzungen der EU-Mutter-Tochter-Richtlinie erfüllt, entfällt die Quellensteuer ganz. In Deutschland ist die Dividende bei der GmbH nach Paragraf 8b KStG zu 95 Prozent steuerfrei.
Was besagt die 183-Tage-Regel?
Arbeitslohn wird grundsätzlich dort besteuert, wo die Arbeit tatsächlich ausgeübt wird. Ausnahmsweise bleibt das Besteuerungsrecht beim Wohnsitzstaat, wenn drei Bedingungen zusammen erfüllt sind: der Aufenthalt im Tätigkeitsstaat beträgt höchstens 183 Tage im maßgeblichen Zeitraum, der Arbeitgeber ist nicht im Tätigkeitsstaat ansässig, und der Lohn wird nicht von einer dortigen Betriebsstätte getragen. Fehlt eine dieser Bedingungen, besteuert der Tätigkeitsstaat.
Was ändert sich beim Homeoffice für Grenzpendler?
Deutschland und die Niederlande haben am 14. April 2025 ein Änderungsprotokoll unterzeichnet, nach dem Grenzpendler bis zu 34 Arbeitstage pro Kalenderjahr von zu Hause arbeiten können, ohne dass sich das Besteuerungsrecht verschiebt. Klären Sie den Stand der Ratifizierung, bevor Sie darauf aufbauen.
Verhindert das Abkommen jede Doppelbesteuerung?
Nein. Es verteilt Besteuerungsrechte und verpflichtet den Wohnsitzstaat, die Doppelbesteuerung durch Freistellung oder Anrechnung zu beseitigen. Beurteilen beide Länder den Sachverhalt unterschiedlich, etwa bei der Frage der Ansässigkeit oder einer Betriebsstätte, kann es trotzdem zu doppelter Besteuerung kommen. Dann bleibt das Verständigungsverfahren.
Fazit
Das Abkommen ist kein Selbstläufer. Es beseitigt die Doppelbesteuerung nur dann zuverlässig, wenn Ihre Struktur zu dem passt, was darin steht. Die drei Punkte, an denen sich alles entscheidet: wo die tatsächliche Geschäftsleitung liegt, ob im anderen Land eine Betriebsstätte entsteht und wie die Anteile gehalten werden. Wer diese drei Fragen vor der Gründung beantwortet, zahlt dauerhaft weniger und muss später nichts umbauen.
Weiterlesen: Mehrwertsteuer in den Niederlanden, GmbH oder niederländische BV im Vergleich und was die Gründung einer BV kostet.